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Problem: Probleme überhaupt?

aufgegriffen von
Walter Rupp
am 05.05.2015

Der Mensch richtet sich als Mangelwesen so gut es geht in der Welt ein. Er erkennt und handelt, der Ursprung der Technik. Doch diese Technik ist schwächer als die Natur, sagt Prometheus. Dann kommt das Christentum und das Mangelwesen Mensch wird zum Zentrum der Welt. Die Technik wird zum Instrument, um die Natur zu bezwingen. Dann kommt die Aufklärung, die den Mangel, der nur Linderung kennt, auf das Problem reduziert, das nach einer Lösung verlangt. Die Problemlösung verkennt, dass der Mangel erhalten bleibt. Sie verrennt sich in der Unendlichkeit der Probleme. Inmitten der Probleme zu stehen, mit der Erkenntnis, dass ihre Lösung unergiebig ist, ist ein pathologischer Zustand der Aufklärung. Den Mangel wiederzuentdecken, ohne die Problemlösungen wegzuschieben, sie vielmehr durch die humanistsiche Brille zu betrachten, bedeutet die Aufklärung weiterzuentwickeln. Viele Probleme verschwinden von selbst und ihre Lösungen werden überflüssig. Das Handeln beschränkt sich dann auf die wirklichen existenziellen Fragen. Oder anders herum. Wieviel gibt es doch, was ich nicht benötige, Sokrates.

letzte Aktivität: 17.10.2017, 16:49

bisher 8 Reaktionen


Ustin Groth
am 11.05.2015, 02:03

Was darf ich noch benötigen?

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Walter Rupp
am 11.05.2015, 20:53

Ein Tisch und eine Liege, ein Herd und einen Garten, einen solarbetriebenen PC und die 500 Meisterwerke aus Literatur und Philosophie, sowie eine Waffe, vorzugsweise bestehend aus Worten, für die Wirtschaftsfanatiker, die in dein Tal eindringen.

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Ustin Groth
am 11.05.2015, 22:52

Ein unlösbares Problem... denn ein solches Refugium können sich nur solche Wirtschaftsfanatiker leisten... welcher Foxcon-Sklave schraubt mir meinen Solar-PC zusammen? Wer sorgt für die Internetverbindung? Die Energie für den Herd? 500 Meisterwerke wollen gedruckt und verkauft werden. Das Tal muss ich mir auch aneignen und mit einer Waffe vereidigen, aus Worten und dem "Recht", welches mir nicht von Gott, sondern von einem meist älteren Herren mit grauen Haaren und juristischer Ausbildung "gegeben" wird. Auf Kosten aller Menschen, denen dieses "Recht" abgesprochen wird...

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Walter Rupp
am 11.05.2015, 23:27

Es geht nicht um die Abschaffung des Kapitalismus oder der Wirtschaft, sondern um deren Mäßigung, wie bereits von Plato in der Polis und von Kun Fu Tse angedacht. Der bessere Jäger in der Urhorde hat mehr als der schlechtere, er schafft Besitz. Darauf zu verzichten, ist nicht möglich, das haben die Marxisten nie begriffen. Der Ausweg? Der Reichst sollte nur ein bestimmtes Vielfaches als der Ärmste haben. Den Genuss von Besitz, nicht den Besitz selbst, mit Anderen zu teilen, bekämpft die Habsucht. Auf die heutigen politischen Verhältnisse übersetzt. Abschaffung des Kreditwesens und allgemeine Entschuldung, wobei ein Grundvermögen garantiert wird. Damit wären die tausend Reichsten, die die halbe Erde beitzen mit einem Schlag entmachtet. Personengrundeinkommen, das den Zwang zur Arbeit beseitigt und die Lust darauf fördert, aber vor allem die Bereitschaft zum Denken.

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Ustin Groth
am 18.06.2015, 03:28

Die 1000 Polyarchen werden sich nicht entmachten lassen, ohne die Hunde des Krieges von der Leine und aus den Gefängnissen und Militärakademien zu lassen!

Nur, wer soll seinen Unterarm dafür hergeben, dass sich die fauligen Zähne der Bestien darin vergraben?

Und was tun, wenn sich die Bereitschaft zum Denken in Rassismus, Ausgrenzung und Angst erschöpft?

Eine (wohl global gedachte) Revolution wird nicht von in der Hängematte abhängenden Intellektuellen erwirkt, sondern von Radikalen erkämpft! Nur radikale Gedanken laden die Menschen mit der notwendigen Energie auf, sich den zähnefletschenden Hunden entgegen stellen zu können...

Was heute Demokratie ist, wurde früher von Marxisten und anderen Radikalen erkämpft. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie nach modrigen Klamotten riechende Studenten mit verfilzten Haaren die Macht der 1000 Geronten brechen könnten... nein, wirklich nicht...

Um einen alten Chinesen zu bemühen; Sun Tsu sagte, der Schwung entscheidet mit, über Sieg und Niederlage...
Man muss ja nach dem Sieg keine kommunistische Diktatur errichten, lediglich eine Wohlstandsgrenze für Bonzen und ein Grundeinkommen für Plebejer einführen und sich auf die kommende Konterrevolution der "Leistungsträger", "Liberalen" und "bürgerlichen Kräfte" vorbereiten... mit ihren braunen Helfern an der Leine...

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Christof Zimmermann
am 24.09.2015, 13:34

Die "Probleme verschwinden von selbst" eben weil sie eine Bedingung sind. Sie sind sozusagen im ursprünglichen Sinne des Wortes die Vereinbarung mit dem Leben und ermöglichen uns erst in die eine oder andere Richtung zu wachsen. Sie verschwinden daher genaugenommen nur aus unserem Zeithorizont, weil wir drum herum oder hindurch wachsen. Wären sie aber nicht da gewesen, wäre unser Wachstum vermutlich verflacht und abgeebbt. Wir hätten uns nie aufgerichtet, um die übrigen Früchte des Lebens zu erreichen, derer da unendlich viele noch auf uns warten. Deshalb freut es mich mit am Beweis fort zu schreiben, dass das Problem an sich unlösbar ist und es sich damit ebenso wunderbar verhält, wie mit dem Ding an sich.

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Walter Rupp
am 24.09.2015, 21:53

Zum ersten Beitrag. Die Herrschaft des Demos, der besitzenden Athener, war zur Zeit von Perikles die Antwort auf die Tyrannis davor. Die moderne Demokratie wurde schrittweise von der englischen Revolution bis zu denen des 19. Jahrhunderts vollbracht. Als Marx auf seine treffende Wirtschaftsanalyse hin einen politischen Ausweg suchte, kam er auf die Diktatur des Proletariats. Bakunin brauchte fünf Minuten, um zu wissen, dass das nicht funktioniert, die Marxisten ein Jahrhundert, mit dem Preis eines Leichenberges. Zur Frage der berechtigten Gewalt. Sie zitieren einen chinesischen Weisen. Dann wissen Sie auch, dass dieser Schwung tanzend vollführt wird. Dem entspricht die Haltung des Anarchisten. Meine Freiheit endet dort, wo die des Anderen beginnt. Keine Toleranz gegenüber Intoleranz. Der Kampf gegen imaginierte Bösewichter, ganz gleich wie präzise sie identifiziert wurden, führt zur absurden Gewalt gegen Stellvertreter. Bin ich aber in meiner Umwelt bedroht und die Institution, die das Gewaltmonopol hat, ist korrupt, auf Seiten des Angreifers, bin ich berechtigt, mich zu verteidigen. Tanzend versteht sich, das heißt, ohne den Einsatz von tödlichen Schlägen, beziehungsweise nur im äußersten Notfall. Außerdem ist es sinnlos, den Mächtigen zu beseitigen, solange ich selbst habgierig bin, denn ich werde ihn nur ersetzen.
Zum zweiten Beitrag. Es besteht kein Zweifel, dass sich unser Bewusstsein ohne den Mangel in der Welt nie gebildet hätte. Paradoxerweise ist er ein Gut, das uns wachsen ließ und den Einzelnen bis zur Freiheit emanzipieren kann. Der Mensch im Besitz dieser Freiheit ist bedürfnisarm, denn er hat die wichtigsten Dinge geregelt. Er duldet das einzige Problem, das er hat, seinen unausweichlichen Tod. Er braucht auch keinen Gott mehr, ist der Übermensch, von dem Nietzsche sprach. Ein epikuräischer Wanderer, der keinen Gedanken an sein Glück verschwendet. Die meisten Menschen heute aber werden von Habgier und Anspruchsdenken beherrscht, sie ertrinken in einem Meer von Problemen.

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Dipl.Ing.Ing. Bernd Letz (2016)
am 01.10.2016, 21:02

Sorry, aber dies ist KEIN UNLÖSBARES PROBLEM.

Denn worum geht es wirklich ?

Der Mensch reduziert sich wieder auf sein Basis-Tier-Dasein - welches nur seine wenigen wirklichen Grundbedürfnisse erfüllt - das wäre der Einsiedler im Wald - außerhalb einer Rechts-Zivilisation - aber dennoch in einer übergeordneten Gesellschaftlichen-Zivilisation positioniert.

Die wahren Grundbedürfnisse wären dann allerdings wiederum sehr stark am Klima positioniert - wo dann zu klären wäre, wo solch ein Mensch am optimalsten (fast paradiesisch) dann leben könnte - wie ein Robinson.

Die Bedürfnisse wären dann Sonne, angenehmes Klima, ein Dach, Wasser, Naturnahrung, ein Schlafplatz, ggf. noch ein Grabwerkzeug (für Wurzeln) und ein Stock / Stein zur Verteidigung gegen wilde Tiere.

Wer in der Heutigen Nations-Zivilisation dies gleichtun will, wird dies entweder nur mit eigenem Land und Tieren oder mit einigen (teilweise sogar faulen) Kompromissen umsetzen können - aber es ist machbar !

Und zwar OHNE den Kapitalismus / OHNE Reiche zu töten !

Das was für die meisten schwierig ist, ist die Denkfehler-Religion des (BE)HALTENS, welche überall hoch-indoktrinativ gelehrt und mit Zwang und Peitsche als Glaubensbekenntnis verlangt wird (in Schule / UNI und Beruf) - nach dem Motto:
Du glaubst nicht ans Geld / dem Kapitalismus - dann Existenzverlust (Kopf ab per Rechtssysteme geschützte Enteignung / Sozialhilfe-Existenzentzug).

Nur das ist es, was die Menschen abhält, denn um den Denkfehler abzuschwören, müssten diese sich von ihrem falschen Selbst-Gott verabschieden - und das wird ihre Minderwertigkeit nie zulassen.

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Neuer eigener Beitrag zu diesem Problem

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