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Problem: Der Schrei des Schülers

aufgegriffen von
stephan krause
am 24.09.2014

Ein Kunstwerk des Schülers Alexander K. 2013.

Interpretation
Es scheint, als ob die im Vordergrund des Bildes stehende Gestalt, die einen Schüler darstellen soll, panisch flüchtet. Muss er eine Klausur nachschreiben? Wird er von anderen Mitschülern ignoriert? Verweigern sie ihm ihre Hilfe sich zu verstecken? Dies könnte als Auf- und Hilferuf an die Schule gewertet werden. Wollte der Schüler seinen Mitschülern etwas mitteilen? Vielleicht, dass er sich unfair behandelt fühlt, weil ihn der inhumane Druck des gesellschaftlichen Leistungssystems bereits während der Schulzeit an seine psychische Belastbarkeit bringt? Möglicherweise kann man die mathematische Integration, die in Formeln über dem Kopf des Schülers schwebt, als Damoklesschwert für die künftige Entwicklung dieses Schülers ansehen. So kann das Erbringen der geforderten Leistung die gesellschaftliche Integration, das Nichterbringen der geforderten Leistung die Exklusion oder sogar die Separation als Hartz IV – Empfänger bedeuten.

Die beiden Personen im Hintergrund versinnbildlichen die Vollstrecker der Strafe für die Flucht des Schülers.

Aus persönlicher Erfahrung weiß der Schüler, wie brutal das Schulwesen sein kann. So kann beispielsweise das Nachschreiben einer Klausur in einer anderen Klassengemeinschaft verortet werden, während diese zeitgleich unterrichtet wird.

Man kann also das gesamte Werk als Selbstportrait des Schülers betrachten. Der Schüler klagt vor Angst und flieht in seinen individuell gewählten Eskapismus.

Ihm ist bewusst, dass davonlaufen keinen Sinn ergibt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis ihn die Anforderung des Lebens einholt – aber der Schüler will das Unvermeidliche so lange wie möglich hinauszögern.

Der Schrei des Schülers wurde in Anlehnung an das Gemälde Der Schrei von Edvard Munch erstellt. Für die Interpretation von Der Schrei des Schülers wurde auf eine Interpretation des Originals zurückgegriffen und Teile als Zitat übernommen. Quelle:
http://de.scribd.com/doc/19962929/Bildbeschreibung-Edvard-Munch-Der-Schrei

letzte Aktivität: 12.12.2017, 16:35

bisher 6 Reaktionen


Mit-Denker stephan krause
am 24.09.2014, 20:12

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1


Frank Zappa
am 26.01.2015, 13:47

Interessant... dass man Schule in Deutschland fast immer mit negativen Gefühlen assoziiert. Und auch ich tue das. Dabei ist eigentlich schlechter "Unterricht" (auch außerinstitutionell) der vielleicht größte Akt von Barbarei, denn er unterstützt Kulturlosigkeit, Unwissenheit und Ablehnung gegen alles, was man als "Bildungsgeschehen" bezeichnen könnte.
Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Schule weit entfernt ist von der realen Lebenswelt - womit automatisch heute gleich wieder viele meinen, diese "reale Lebenswelt" bestünde in der Verbindung zur Arbeitswelt - so als gäbe es nur sie, und als wäre sie der einzig valide Leitfaden unserer Gesellschaft. Reformpädagogen, die von "sozialen Kompetenzen" und der "freien Entfaltung der Persönlichkeit" sprechen galten früher vielleicht noch als Visionäre, dann als Idealisten; heute gelten sie nur noch als realitätsfremde Spinner... obwohl eigentlich alle wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte genau in diese Richtung sprechen und genau diese Dinge vom Bildungsprozess fordern.

Aber Bildung war nie frei von Ideologien - ansonsten hätten wir längst die Möglichkeiten gehabt, unser Bildungssystem zu modernisieren und die Gesellschaft auf diese Weise radikal umzuorganisieren. Die Reggio-Pädagogik kann z.B. für die Kleinkinderpädagogik (aus heutiger Sicht) als Non-Plus-Ultra gelten -- aber dennoch wird sie nur extrem selten und nur selten vollständig umgesetzt. Warum? Einerseits, weil sie keinem "System" folgt, sondern einem quasi-anarchischen Grundgedanken: Das Kind steht im Mittelpunkt mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Es gibt keine "Erziehungsmodelle", o.ä. - klingt wieder für viele wie reformpädagogische Spinnerei - aber es hat sich gezeigt, dass Reggio Emilia auch deswegen zu einer wirtschaftlich florierenden Stadt geworden ist, weil die Menschen in ihrer Kindheit in diesen Kindergärten eine gewisse Ethik gelernt haben, Selbstverantwortung und Freiheit, die der Stadt den Ruf der "ethischen Gemeinde" eingebracht hat.
Aber leider.. wurde die Reggio-Pädagogik hauptsächlich in den 60er und 70er Jahren von der Kommunistischen Partei unterstützt und gefördert; deswegen ist sie natürlich verpönt. Und all die Erkenntnisse, die man dort schon seit 50 Jahren erfolgreich umsetzt, die beginnen hier erst langsam in den Köpfen zu sprießen, anhand "NEUESTER [hust*räusper] wissenschaftlicher Studien", die ein solches "Modell" nahelegen.

Schlechter Unterricht ist Barbarei, auch weil er die persönlichen Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Schüler unterdrückt und erstickt - denn im Grunde genommen ist für jeden Menschen jedes Thema interessant und Wissensvermehrung ist eine große Freude und ein großes Grundbedürfnis eines jeden menschlichen Wesens. Und die allgemeine Angst vor Mathematik ist nichts weiter als die Unfähigkeit, Mathematik als Element des Lebens begreifbar zu machen; auch Kunst funktioniert nach mathematischen Prinzipien, auch die Sprache - der Einsatz von Grammatik - kann man als mathematisches Funktionieren verstehen, usw. - Aber niemand nimmt sich die Zeit, zu Beginn eines Schuljahres den Kindern drei oder vier Stunden aus historischer, philosophischer oder sonstiger Sicht zu erklären, wie sich die Formeln und Ideen im Laufe der Zeit entwickelt haben und warum sie eigentlich so wichtig sind - außer für das Abitur.
Niemand erklärt den Schülern: es existierte erst der Mensch, der dann versuchte, die Prinzipien seines inneren Daseins mit mathematischen Regeln fassbar und begreifbar zu machen, und nicht umgekehrt. Der Mensch hat die Mathematik nicht einfach dazu erfunden, um Abiturprüfungen abhalten zu können, sondern um sein Dasein in der Welt zu begreifen, seine eigene Existenz und seine Stellung im Universum. Mathematik ist etwas zutiefst subjektives, keine göttliche neutrale Antwort. Mathematik zu verstehen, das heißt, sich mit dem Menschen zu beschäftigen. Und niemand ist mathematisch "begabt" oder "unbegabt" - jeder kann alles lernen, wenn auch verschiedene Menschen zuweilen sehr unterschiedliche Zugänge und Herangehensweisen haben.

Schule ist fremd von der Lebenswelt der Schüler - aber nur, weil wir sie dazu machen. Und weil wir glauben, wir wüssten, was die Lebenswelt der Schüler sei. Aber die "Arbeitswelt", die Ökonomie, das sind nur winzige Teilaspekte im Gesamtkomplex menschlicher kognitiver und seelischer und emotionaler Bedürfnisse, Empfindungen und Fähigkeiten. Wir setzen aber allen Schülern das Gleiche vor, das sie verdauen sollen und schulen dann die Lehrer in Fortbildungen für "differenzierten Unterricht", in der Hoffnung, wir könnten so den (für uns und die "Gesellschaft" nützlichen) Teil ihrer Individualität erhalten und demokratisch wirken.
Eine Schule soll aber nicht auf HartzIV vorbereiten und nicht auf Steuererklärungen. Eine Schule soll der Ort sein, wo ein junger Mensch unterstützt wird, das Menschsein SELBST zu lernen, sich zu entdecken und zu verwirklichen, zu verstehen, was er will und was er braucht. Solange wir den Schülern diese Freiheit nicht schenken, werden wir nie eine stabile freie und friedliche Gesellschaft haben.

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Thomas Perthel
am 09.02.2016, 23:20

Ich habe zuerst an Robert Steinhäuser gedacht. Darf man das denken?!

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Y.N.K
am 02.08.2016, 19:24

Ich glaube der Schüler wird ein guter Philoshoph sein.
Da es ihm so leicht fällt seine Umgebung zu Manipulieren wird er auch bei Zeiten ein bewusstes Verständniss davon entwickeln oder entwickelt haben.

4


Dipl.Ing.Ing. Bernd Letz
am 12.10.2016, 01:25

Hier wird was ganz anderes gezeigt, als es die bisherigen Kommentatoren für sich ermittelt haben.

D = Deutschland / BRD / vBRD / BRvD meinend 1945-2016.

Was müssen wir Wissen ?
Was D wirklich ist - ein von Alliierten besetztes Wirtschafts-Militärisches Kriegsgebiet.

Was ist die Schulpflicht in D ?
Der Aufruf, die Kinder zum Wehrdienst Mustern zu lassen.

Was eine Schule in D ?
Das militärische Rekrutierungsbüro wo Ankommende auf Wehrdiensttauglichkeit gemustert werden, ausgebildet werden zum Kriegssoldaten - damit diese für den Krieg ihr Leben freiwillig opfern sollen (also die Zustimmung zum frühen Opfer-Selbstmord - gefeiert als Heldenhaften Tod.


Wir sehen das innere Ich des Kindes zerstritten in Wut und Zorn, welches erkennt, das es mit folgender Formel konfrontiert wird - gegen dessen Erkenntnis sich das
Wissende (innerliche) Kind wehrt, welches das äußere Kind nicht versteht:

f(a) = Summe aller verfügbaren Soldaten-Kinder.
f(b) = Summe aller Gefallenen Soldaten-Kinder.

f(x) = f(a) - f(b)

f(x) = Summe der Überlebenden Kinder / Volljährigen, deren Wert aber gegen Null geht, weil f(b) sich immer mehr f(a) nähert !

Dem Unwissenden Kind wird diese Null als was gutes verkauft - als die Lüge - indem die Differenz dem Verlust NULL gleichgesetzt wird - das Kind würde freudestrahlend in den Krieg ziehen und schnell fallen.

Beim Wissenden Kind kommt es zum inneren Konflikt - es erkennt, das es getötet werden wird / zu Tode kommen soll - es schreit seine Wut heraus - ICH WILL LEBEN - ICH WILL NICHT STERBEN !

Wenn man sich den Zeitraum und die Ereignisse von Herrn Munch ansieht (nur das die Formeln fehlen) - so erkennt man tiefenpsychologisch durchaus, das sein inneres Kind durchaus einiges an Verluste ertragen hat, die es nicht einfach mal so wegwischen / vergessen konnte.

Hier wäre zu prüfen, ob dem Schüler dies wirklich (un-/)bewusst ist, was er da malt (das er innerlich ggf. vor dem gleichen Konflikt steht, die Erwartung eines Krieges - wie auch immer dieser geartet sei) ?

Danke fürs Lesen und mfG
Dipl.Ing.Ing. Bernd Letz (2016)

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