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Problem: Mein Raum

aufgegriffen von
Moritz Storch
am 04.08.2014

Ich stelle mir mein Leben als einen großen Raum vor, der jedoch, im Gegensatz zu anderen Räumen, keine Türen und auch keine Fenster hat. Man könnte sagen, dass mein Raum nach außen hin offen ist, nur: verlassen kann ich ihn trotzdem nicht und es mag mir auch nicht gelingen über seine Grenzen hinaus zu blicken. Jedoch, seine Grenzen gewähren jeden Tag Einlass für eine Vielzahl von mir fremder Gefühle, die, so scheint es mir, aus weit entfernten Ländern angereist kommen und sich darüber hinaus mit den sonderbarsten Kostümen zu verkleiden pflegen. Manche dieser wunderlichen Gestalten reisen nur zügig durch meinen Raum hindurch, um ihn dann, alsbald, auf der Reise nach noch entfernteren Gegenden, wieder zu verlassen. Andere machen in ihm Halt und ruhen sich für eine Weile aus, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Wieder andere kommen mich öfters besuchen (es scheint fast so, als ob ihnen mein Raum als Reiseziel besonders gut gefallen würde).

Wie aber soll ich mich meinen Gästen gegenüber verhalten? Bin ich denn ein guter Gastgeber? Oder lasse ich mich vielleicht zu sehr von der Fremdartigkeit meiner Gäste einschüchtern? … Oder bin etwa ich derjenige, der meine Gäste einschüchtert? Bin ich gar vielleicht zu radikal in meinem Versuch mein Zuhause gegen fremde Eindringlinge zu verteidigen?... Versuche ich denn eigentlich meine sonderbaren Besucher kennen zu lernen oder neige ich eher dazu ihren Blicken auszuweichen? Und stelle ich mich ihnen überhaupt, als ihren Gastgeber, vor, oder bin ich dazu geneigt mich in der Menge, unter ihnen, zu verstecken? Will ich denn manchmal, ob der farbenfrohen und andersartigen Kostüme, schallend in Gelächter ausbrechen? (lache ich dann aber hinter vorgehaltener Hand darüber oder zusammen mit meinen Besuchern?). Bin ich denn eigentlich froh darüber, so oft und von allen Seiten, besucht zu werden? Ja, bin ich denn dazu verpflichtet meine Besucher zu empfangen und ihnen meine Gastfreundschaft anzubieten? Und,… bin ich eigentlich der Herr in meinem Haus? (bin ich denn mutig genug, um jeden Tag von neuem aufzustehen und alle meine Gäste willkommen zu heißen?).

letzte Aktivität: 17.10.2017, 16:49

bisher 3 Reaktionen


Bettina
am 12.09.2014, 13:54

heartefact.com [extern]

Ich bin mein Haus
Schließe manchmal die Läden
Lege den Schlüssel
unter die Matte
und warte
wer wohl damit reinkommt
um mich zu besuchen

1


Vanessa
am 19.03.2015, 21:13

Dein Leben als Raum, eine pfiffige Ansicht.
Mehr als das, deine Wahrnehmung und mit ihr deine Empfindungen gelten dir als Raum, dessen Grenzen du zu erkennen vermagst. Jemand, der so deutlich blicken kann stellt sich seiner Natur gemäß viele Fragen.
Du lebst deinen Raum nicht einfach, du kommunizierst mit ihm und in diesem Diskurs bemerkst du die Abdrücke deiner Besucher. Auch hier scheint es mir natürlich, dass du diese als 'Fremdkörper' empfindest. Manchmal positiv, manchmal negativ und einige Male ganz neutral.

Wie kannst du dir nun deine 'soll' Fragen beantworten?

Die Antwort ist kurz, doch hat es in sich.
Vertraue auf dein Gefühl und verwechsle es nicht mit deinem Verstand.
Dein 'Wesen' wird dir wohl schon mitteilen, welchen Gast er auf welche Weise und für welche Zeit bewirten möchte.
Es bedarf an Mut und Ausgeglichenheit um ein solches Rätsel zu lösen.

Dies sind jedoch nur weitere Worte aus einem dir gänzlich fernen System. Viel Glück auf deiner Reise!

2


moritz
am 19.03.2015, 22:11

Danke. Und wer bist du? Kommst da an und erklärst mir einfach mal so meine Welt und das auch noch so teuflisch genau und überzeugend!

3



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