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Problem: Zu Hause bleiben

R.J. Kirsch

aufgegriffen von
R.J. Kirsch
am 07.03.2013

Natürlich gibt es Arbeitsmigration bereits seit dem 19.Jahrhundert, aber es ist nicht zu leugnen, das die Entwicklung des Computers als Produktionsmittel, sowie die Verschaltung der einzelnen Terminals zu Netzverbünden eine Neuordnung aller gesellschaftliche relevanten Bereiche, weltweit, von oben nach unten, von reich nach arm, bedingt. Folge ist die permanente, immer lauter und eindringlicher werdende Forderung nach Flexibiltät in Raum und Zeit. Gleichzeitig aber erlauben es die neuen Technologien in einem nie gekannten Ausmaß zu Hause zu bleiben. Der Idee nach soll eines Tages so gut wie alles vom heimischen Computer via Internet zu erledigen sein. Unterhaltung, Bildung, Seelsorge, Gottesdienste sollen im Schoße einer elektronischen Community zur erlangen sein. Öffentlicher Raum versteht sich von hier aus nur noch als Anhängsel der eigenen Wohnung. Politische Willensäußerung und -bildung, Wahlgänge, Warenhausbesuche, die Nennung von Beispielen kann fortgesetzt werden, wie es auch die Apologeten des Netzkultur niemals unterlassen.

Ein aktuelles Variante dieser Problematik ist die gerade hochgekochte Diskussion um osteuropäische Leiharbeiter: Während der deutsche Konsument bequem seine Weihnachtsbestellungen über den online-Versandhandel abwickelt und in seinem warmen Wohnzimmer sitzt, sind Arbeitnehmer aus osteuropäischen Ländern aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, in der Hoffnung hiermit das Überleben zu sichern. Zuletzt tragen Sie dann auch noch das Planungsrisiko und werden über ihre prinzipielle Ausbeutung hinaus einfach aus Mangel an Auslastung wieder "abgeschoben".

letzte Aktivität: 28.04.2017, 12:12

bisher 2 Reaktionen


R.J. Kirsch
am 07.03.2013, 12:27

aus "DER STILLSTAND #11- Zu Hause bleiben", Köln 2003, R.J.Kirsch, [Herausgeber]

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LoKa
am 23.04.2013, 17:25

Die formal richtige aber nie zu Ende gedachte Aussage, das Internet kann für die Bequemlichkeit in Heim und Wohnzimmer sorgen, veranlasst, vor allem in Industriestaaten, einige Menschen zum völligem Denkstillstand im Bezug auf das Thema. Waren müssen produziert, transportiert und, nach gebrauch, recyelt werden.
Wir reden von der vollständigen Integration von im Moment noch getrennten Dienstleistungen. Wir Privilegierten können schon jetzt davon provitieren, sollten aber nicht vergessen, dass soetwas nur mit Hilfe billiger MaschinisInnten, TransporteurInnen und LageristInnen geht.

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